Der russische Liedermacher und Schauspieler Wladimir Wyssozki war schon zur Zeit seines kurzen Lebens eine Legende. Bekannt war er in der Sowjetunion “wie Lenin oder Jesus”, so sagte man. Geschützt durch seine Popularität, die er sich am legendären Taganka-Theater in Moskau erspielt hatte, gelang ihm ein einzigartiger Spagat zwischen Verbot, Duldung und Öffentlichkeit. Seine Lieder kursierten in tausenden Tonbandmitschnitten überall im Land, fast jeder kannte sie. Wenn ihm Konzerte verboten wurden, tarnte er sie als “Bildungsveranstaltung mit Musik”. Seine Themen reichten von den unsäglichen Leiden der Russen während Krieg und Stalinzeit bis zu den kleinen, täglichen Absurditäten der Breshnew-Ära. Immer waren seine Lieder von größter Ehrlichkeit und Intensität. So war auch sein Leben, in dem die Ehe mit der französischen Filmschauspielerin Marina Vlady einen zusätzlichen irritierenden Glanzpunkt setzte. Als er 1980 mit gerade 42 Jahren starb, folgte seinem Sarg eine halbe Million Menschen.